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Nomad
Soul von Quanticdream
Leben
und Tod in Omikron
Erinnern wir uns noch
daran, dass die Geburten vom Zentralcomputer Ix
streng geplant werden, der Paare auswählt und sie dazu auffordert, vor
dem 35. Lebensjahr Nachkommen zu zeugen. Die Mehrzahl der Omikroner
beschwert sich nicht darüber. Ix wählt die Paare den genetischen
Eigenschaften entsprechend aus - hierdurch können sie sicher sein,
schöne und gesunde Kinder zu haben.
Bsi das Kind sein erstes
Lebensjahr erreicht hat, bleibt es bei seiner
Mutter. Anschliessend wird es in das staatliche Erziehungssystem
aufgenommen, das alle seine Bedürfnisse bis zum 16. Lebensjahr deckt.
Danach beginnt sein Arbeitsleben. Dieses System gewährleistet eine
absolute Chancengleichheit im Erziehungswesen. Alle erhalten die
gleiche Erziehung und leben in der gleichen sozialen Umgebung - mit
einem Wort, führen das gleiche Leben bis zu ihrer Volljährigkeit.
Dies ermöglicht den
Eltern ihren Kindern nur ein Minimum ihrer Zeit
widmen zu müssen und hierdurch voll ihre eigene Jugend genießen zu
können. Da auch das Erwerbsleben streng vorausgeplant ist, wird den
Kindern von Geburt an eine berufliche Tätigkeit zugeteilt, die sie
ausüben, sobald sie volljährig sind. Die Erziehung hängt von dem Beruf
ab, der jedem von seiner Stunde an zugeteilt ist. Die Ausbildung ist
sehr spezialisiert, damit jeder später so leistungsfähig wie möglich
ist. Schulische Mißerfolge gibt es so gut wie gar nicht. Sollte sich
jedoch eine Person als untauglich erweisen, ihren Platz in der
Gesellschaft einzunehmen, so wird ihr ein niedrigerer Posten, oder
irgendeine normale Handarbeit zugeteilt.
Für Aufsässige, oder
Unbelehrbare wurden die Weisheitsverbesserer
erfunden und für Wiederholungsfälle sind die Gedankenanpasser
zuständig. Bei dieser radikalen Gehirnwäsche gibt es keine Mißerfolge
und von den Menschen, die eingeliefert werden, bleiben lediglich hörige
Sklaven übrig. In dieser Gesellschaft, die man vorbildlich nennen soll,
gibt es keine physischen oder mentalen Schwerbehinderten. Genetische
Mißbildungen werden vor der Geburt aufgespürt und beseitigt.
Es gibt auch keine
Handwerskarbeit mehr. Die überwiegende Mehrzahl der
Arbeiten wird an Computer ausgeführt. Durch die Entscheidung des
Weisenrates wurde die tägliche Arbeitszeit von fünf auf drei Stunden
herabgesetzt. Freizeitbeschäftigung nimmt den größten Teil des Tages
ein.
Die Eifrigsten bekommen,
sobald sie dreissig sind, eine
verantwortungsvolle Aufgabe, die sie bis zum vierzigsten Lebensjahr
ausüben - in diesem Alter gehen sie dann in den verdienten Ruhestand,
den man nicht umgehen kann, es sei denn, der Weisenrat bestimmt es so.
Tetra und Khonsu, die
beiden feindlichen Trusts, teilen sich - nach
geografischen Zonen - die Verwaltung des Ruhestandes. Die Abwicklung
dieser wichtigen Etappe im Leben der Einwohner von Omikron ist seit
Jahrhunderten immer gleich geblieben. Am Tage der Vollendung des 40.
Lebensjahres muss sich jeder Mensch im nächstgelegenen
Volkszählungszentraum vorstellen. Mit einer Reisetasche versehen wird
er nach Euralys reisen - einem weit entfernten paradiesischen Planeten,
der einem benachbarten Sonnensystem angehört, um dort unter gemütlichen
Bedingungen friedlich seinen Lebensabend zu verbringen. Es gibt also in
Phaenon, abgesehen von wenigen Ausnahmen, keine Einwohner, die älter
als vierzig sind.
Obgleich nach offizieller Angabe
Glück und Lebensfreude herrschen, so
sieht die Wirklichkeit doch weniger glänzend aus: Die Präsidenten von
Tetra und Khonsu haben mit Dämonen einen Vertrag abgeschlossen. Die
Rentner und ihre Seele werden ihnen ausgeliefert - als Gegenleistung
verspricht ihnen der Prinz der Finsterniss ewiges Leben und die
Weitererhaltung ihres Handels, wenn die Zeit seiner Herrschaft gekommen
ist. Jeder wartet ungeduldig auf seine verheissungsvolle
Geburtstagsfeier, ohne zu ahnen, dass er tausendfaches Leid im
Seelenreservoir erleiden wird.
Euralys gibt es wirklich, aber nur einige höhere Angestellte der
wichtigen Trusts haben die Erlaubnis, sich dort aufzuhalten.
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